
ANIMA
Wenn Blumen dichten und Gedichte Knospen treiben
Ein poetisches Buch mit der Lyrik von Christian Englert
und den floralen Fotografien von Lisa Maito
Hardcover, Format 17,5x14 cm, hochwertiger 4-Farben Druck, 93 Seiten
und den floralen Fotografien von Lisa Maito
Hardcover, Format 17,5x14 cm, hochwertiger 4-Farben Druck, 93 Seiten
DAS BESONDERE GESCHENK!
Preis: CHF 19.80
zu bestellen bei Lisa Maito
oder direkt im Verlag Innenwelt, Köln

Christian Englertwurde 1928 im Engadin geboren und starb im Oktober 2008. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie, führte er eine eigene Anwaltskanzlei von 1964-1997 in Basel. Nebenamtlich war er Vize-Präsident am Verwaltungsgericht des Kantons Basel-Landschaft. Christian Englert war verheiratet, hinterlässt eine Tochter und zwei Enkelinnen. Nach der Schliessung seiner Anwaltskanzlei 1997 befasste sich Christian Englert fast ausschliesslich mit Literatur und Philosophie. Vor allem aber widmete er sich dem Studium und der regelmässigen Praxis des ZEN-Buddhismus.
Seine Werke:
Bambusblätter und Kiefernnadeln, Gedichte, 1998
Der Meteorit fiel nicht auf Lhasa, Novelle, 1999
Wiederkehrende Zwischenräume, eine Künstlererzählung, 2000
Bambusblätter und Kiefernnadeln, Gedichte, 1998
Der Meteorit fiel nicht auf Lhasa, Novelle, 1999
Wiederkehrende Zwischenräume, eine Künstlererzählung, 2000
ANIMA - WENN ALLES SO ZUSAMMENFLIESST
Eine Buchbesprechung von Arno Orzessek
Wer ein Künstlerbuch zur Hand nimmt, das unter dem Titel «Wenn Blumen dichten & Gedichte Knospen treiben» beides präsentiert, Gedichte und Blumen-Fotografien, setzt sich
unwillkürlich einer starken Suggestion aus: Dass nämlich Gedichte und Blumen etwas Gemeinsames teilen, durch eine innere Ähnlichkeit miteinander verbunden sind oder zumindest
in aufschlussreiche Wechselbeziehungen treten können. Tatsächlich kennt die Poesiegeschichte die Gattung der Blumengedichte, in denen sich die lyrische Sprache der Ausdruckskraft der Blumen versichert. Bereits in der griechisch-römischen Antike war die Rose das Symbol der Liebe und Sinnbild der Frau, gelegentlich auch der Vergänglichkeit. Goethe selbst nutzte das unwiderstehliche Zeugnis der Rosen im tragischen Gedicht Heideröslein:«Röslein sprach: Ich steche dich, / dass du ewig denkst an mich». Angesichts der Leichtigkeit großer Kunst ist man versucht zu glauben, es gäbe einen Weg der Empfindsamkeit, der ohne Umschweife von der Blume zum Gedicht führt, gleichsam als bräuchten die blühenden Pflanzen nur talentierte Übersetzer, um in prächtigen Wortkleidern fortzuleben.
Indessen ist das vorliegende Werk keine illustrierte Fortsetzung dieser Geschichte der Blumengedichte und der fruchtbaren Beziehungen zwischen Sprachgenie und Pflanzenwelt.
Denn Christian Englert hat seine Gedichte nicht mit Blick auf die Fotografien von Lisa Maito geschrieben, und deren Blumenbilder verdanken sich nicht der Inspiration durch Englertsche Gedichte. Vielmehr treffen hier in verschiedenen Medien souveräne Kunstformen aufeinander, die für sich zu betrachten sind, bevor sich der Charakter ihrer Begegnung ins Auge fassen und die Wirkung der Synergie ermessen lässt.
Lisa Maito konzentriert sich in ihrer Blumenfotografie ausschliesslich auf Blüten und Blütendetails bis hin zum einzelnen Blütenblatt. Ein auffälliges Merkmal ist die Freistellung der Motive und, mit wenigen Ausnahmen, die Austilgung jedes Hintergrunds. Die Blüten, teils in der Natur, teils im Studio fotografiert, erscheinen schliesslich bar jeder identifizierbaren Umgebung, wie es in der Blumenfotografie – man denke an Arbeiten von Michael Banks, Imogen Cunningham und Robert Mapplethorpe – oft der Fall ist.
Durch die Ausleuchtung und die Inszenierung von Schatten und Licht als der klassischen Manier des Verbergens und Enthüllens, werden Oberflächenstrukturen betont, architektonische und skulpturale Formen treten hervor. Es entstehen, mal in weiche Umrisse gehüllt, mal in brillanter Schärfe, Abstraktionen des Organischen, die man mit Blick auf die digitale Bearbeitung virtuelle Blumen nennen könnte. Es wäre zu stark, von bloßen Blumensimulationen zu sprechen. Aber die gehörige Entfernung von der Blume als alltäglicher Beet-, Wegesrand- oder Blumenladen-Erscheinung ist bei Lisa Maito Programm und wird ihr zum Gleichnis der durchlässigen Grenze zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit im Zeitalter des Computers und der digitalen Manipulation. Die Blüten sind so präpariert, dass Betrachter ohne gute botanische Vorbildung oft nicht erkennen, um welche Blumenfamilie und -sorte es sich handelt. Lisa Maito schlägt die Fach- und Populärbezeichnung ihrer Objekte gelegentlich nach, aber sie zielt nicht auf die Illustration wissenschaftlicher Klassifizierungen. Maitos Maxime lautet: «Ich interpretiere die Blumen neu.» Und das ist eine folgenreiche Entscheidung. Denn jede Blume ist durch ihr natürliches Biotop, ihre Familienzugehörigkeit und ihre Bezeichnung charakterisiert und vorgeprägt. Sie nimmt, kurz gesagt, einen bestimmten Platz nicht nur in der Natur-, sondern auch der Kulturgeschichte ein.
unwillkürlich einer starken Suggestion aus: Dass nämlich Gedichte und Blumen etwas Gemeinsames teilen, durch eine innere Ähnlichkeit miteinander verbunden sind oder zumindest
in aufschlussreiche Wechselbeziehungen treten können. Tatsächlich kennt die Poesiegeschichte die Gattung der Blumengedichte, in denen sich die lyrische Sprache der Ausdruckskraft der Blumen versichert. Bereits in der griechisch-römischen Antike war die Rose das Symbol der Liebe und Sinnbild der Frau, gelegentlich auch der Vergänglichkeit. Goethe selbst nutzte das unwiderstehliche Zeugnis der Rosen im tragischen Gedicht Heideröslein:«Röslein sprach: Ich steche dich, / dass du ewig denkst an mich». Angesichts der Leichtigkeit großer Kunst ist man versucht zu glauben, es gäbe einen Weg der Empfindsamkeit, der ohne Umschweife von der Blume zum Gedicht führt, gleichsam als bräuchten die blühenden Pflanzen nur talentierte Übersetzer, um in prächtigen Wortkleidern fortzuleben.
Indessen ist das vorliegende Werk keine illustrierte Fortsetzung dieser Geschichte der Blumengedichte und der fruchtbaren Beziehungen zwischen Sprachgenie und Pflanzenwelt.
Denn Christian Englert hat seine Gedichte nicht mit Blick auf die Fotografien von Lisa Maito geschrieben, und deren Blumenbilder verdanken sich nicht der Inspiration durch Englertsche Gedichte. Vielmehr treffen hier in verschiedenen Medien souveräne Kunstformen aufeinander, die für sich zu betrachten sind, bevor sich der Charakter ihrer Begegnung ins Auge fassen und die Wirkung der Synergie ermessen lässt.
Lisa Maito konzentriert sich in ihrer Blumenfotografie ausschliesslich auf Blüten und Blütendetails bis hin zum einzelnen Blütenblatt. Ein auffälliges Merkmal ist die Freistellung der Motive und, mit wenigen Ausnahmen, die Austilgung jedes Hintergrunds. Die Blüten, teils in der Natur, teils im Studio fotografiert, erscheinen schliesslich bar jeder identifizierbaren Umgebung, wie es in der Blumenfotografie – man denke an Arbeiten von Michael Banks, Imogen Cunningham und Robert Mapplethorpe – oft der Fall ist.
Durch die Ausleuchtung und die Inszenierung von Schatten und Licht als der klassischen Manier des Verbergens und Enthüllens, werden Oberflächenstrukturen betont, architektonische und skulpturale Formen treten hervor. Es entstehen, mal in weiche Umrisse gehüllt, mal in brillanter Schärfe, Abstraktionen des Organischen, die man mit Blick auf die digitale Bearbeitung virtuelle Blumen nennen könnte. Es wäre zu stark, von bloßen Blumensimulationen zu sprechen. Aber die gehörige Entfernung von der Blume als alltäglicher Beet-, Wegesrand- oder Blumenladen-Erscheinung ist bei Lisa Maito Programm und wird ihr zum Gleichnis der durchlässigen Grenze zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit im Zeitalter des Computers und der digitalen Manipulation. Die Blüten sind so präpariert, dass Betrachter ohne gute botanische Vorbildung oft nicht erkennen, um welche Blumenfamilie und -sorte es sich handelt. Lisa Maito schlägt die Fach- und Populärbezeichnung ihrer Objekte gelegentlich nach, aber sie zielt nicht auf die Illustration wissenschaftlicher Klassifizierungen. Maitos Maxime lautet: «Ich interpretiere die Blumen neu.» Und das ist eine folgenreiche Entscheidung. Denn jede Blume ist durch ihr natürliches Biotop, ihre Familienzugehörigkeit und ihre Bezeichnung charakterisiert und vorgeprägt. Sie nimmt, kurz gesagt, einen bestimmten Platz nicht nur in der Natur-, sondern auch der Kulturgeschichte ein.